rEigensinn

Julia Katterfeld

 

Julia Katterfeld

 

 

Julia Katterfeld studierte von 2004 bis 2009 Sprecherziehung an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart bei Frau Professor Maier-Hillenbrand. Die Begeisterung für die Bühne zeigte sich bereits zur Schulzeit. Dem Klassischen Ballet und Instrumentalunterricht folgte das Engagement für Schultheater, die Jugendkantorei Weinsberg unter der Leitung von Gerhard Frisch und den Theaterchor des Stadttheaters Heilbronn. Seit 2005 ist sie Mitglied des Sprecherensembles der Akademie für gesprochenes Wort und war in literarischen Programmen zu sehen, wie "Es färbte sich die Wiese Grün", oder "GELB" in Kooperation mit dem Kunstmuseum Stuttgart, sowie in Produktionen für die Münchner Rückversicherung, die Allianzstiftung, Siemens oder die Landesvertretung Baden-Württemberg in Brüssel. Außerdem steht sie in künstlerischer Zusammenarbeit mit dem Kernerverein Weinsberg. Aktuelle Veranstaltungen sind: Schillers Europa, sechs Exerzitien mit Friedrich Schiller, DER PLEITEJAZZ von Paul van Ostaijen, eine Drehbuchlesung mit Musik und DIE MASCHINE von Georges Perec und Eugen Helmlé, ein Livehörspiel für vier Sprecher. Im Rahmen von Schulprojekten und Workshops arbeitet sie sprecherzieherisch und theaterpädagogisch mit Kindern und Jugendlichen.

Sonntag, 12. Juli 2009

Bilder von der Veranstaltung .....

Fotos: Caroline Spicker

 

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„Die Heimatlosen“
Matinée um 11.00 Uhr im Kernerhaus:

Szenische Lesung mit Julia Katterfeld, Kolja Buhlmann (Sprecher) und
Andreas Geyer (Querflöte, Klarinette, Saxophon).

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Justinus KernerJustinus Kerner

Erstes Kapitel


„[...] Wie der Mond so durch das dichte Gezweig des Nussbaumes vor dem Hause schien, warf er vorüberziehende Gestalten auf die Wände des Gemaches. Serpentin dachte sich in ihnen lichte Geister, die in fliegenden Gewanden hinschwebten, spielende Meerfrauen, kristallhelle Blumen und Sterne. Seit seinem dritten Jahr immer in den Klüften dieser Gebirge, in der Nacht dieser Wälder lebend, hatte er noch keine freie Aussicht gesehen, noch keinen geöffneten Himmel, keinen Aufgang oder Niedergang der Sonne. Bücher, die er bei seinem Meister fand, hatten ihm von der größeren Weltmanches erzählt, das er sich aber immer auf schwarzem Grund in den brennendhellsten Farben dachte; ja, je beschränkter und tiefer die Wildnis der Gebirge und Wälder war, je heller wurden die Gestalten und Flächen, die sich ihm im Geiste vor Augen stellten [...]“

Die beiden Geschwister, Serpentin und Sililie, wachsen fern von ihrer Heimat im Waldgebirge bei Meister Lambert auf. Ihre wahre Herkunft bleibt ein Geheimnis. So entwurzelt steigt in beiden Kindern unbewusst eine tiefe Sehnsucht auf, und beide machen sich auf die Suche, eine Suche nach Identität, Freiheit, Sinn und Frieden.

 

Drittes Kapitel

„Serpentin lag schlummernd auf seinem Lager, es war in der Nacht als Sililie das Märchen vom Lichte erzählt, da ersah er im Traum zum erstenmal den Aufgang der Sonne. Er erwachte, noch düstere Nacht lag im Gebirge, da ergriff ihn die gewaltigste Sehnsucht, endlich einmal die Klarheit des freien Himmels zu schauen. Eilends raffte er das nötige Reisegerät zusammen und ging, noch ehe der Meister vom Schlaf erwachte, zum erstenmal die Nacht und die Einsamkeit dieser Wälder zu verlassen [...].“

Vierzehntes Kapitel Die Straßen, die ich gehe, So oft ich um mich sehe, Sie bleiben fremd doch mir. Herberg', wo ich möcht' weilen, Ich kann sie nicht ereilen, Weit, weit ist sie von hier. So fremd mir anzuschauen Sind diese Städt' und Auen, Die Burgen stumm und tot; Doch fern Gebirge ragen, Die meine Heimat tragen, Ein ewig Morgenrot.

Justinus Kerner schrieb einen kleinen Roman von hoher Dichte, ein Märchen von Licht und Dunkelheit, von Wünschen, Träumen, Einsamkeit und Tod. Denn „Blumen von der Art halten nicht über den Sommer aus“.

Kolja Buhlmann, Sprecher

 

Kolja  Buhlmann

 

Kolja Buhlmann 1981 in Duisburg geboren, studierte zunächst vier Semester Anglistik und Geschichte an der TU Berlin. Im Jahr 2003 begann er das Studium der Rezitation am Institut für Sprechkunst und Kommunikationspädagogik der Stuttgarter Hochschule in der Klasse von Prof. Annegret Mülle, welches er 2008 abschloss. Sprechkünstlerische Auftritte führten ihn, außerhalb Stuttgarts unter anderem ins Ruhrgebiet, nach München, Heidelberg, Mannheim, Dresden, Weimar und Leipzig. Kolja Buhlmann ist Stipendiat der Markelstiftung.

 

Andreas Geyer

 

Andreas Geyer

 

wurde 1981 in Baden-Baden geboren. Im Alter von 5 erhielt er seinen ersten Instrumentalunterricht am Klavier. Mit 8 begann sein Klarinettenunterricht. Bis zu seinem Studium (Jazz-Saxophon bei Prof. Bernd Konrad an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart) widmete er sich vor allem der Klassik. Seit Studienbeginn spielt er in zahlreichen Bandprojekten (www.panthalassa-music.de) und ist derzeit als Multi-Instrumentalist im SI-Zentrum Stuttgart ("Wicked") und am Theater TRI-Bühne tätig.